Prozesswärme mit einer Hackschnitzelheizung in der Geflügelzucht
In einer Welt, in der Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein immer mehr an Bedeutung gewinnen, hat die Familie Blomendahl aus Neuenkirchen-Vörden einen wichtigen Schritt unternommen: Sie haben ihr Heizsystem komplett von Gas auf eine Hackschnitzelheizung umgestellt. Diese versorgt mit einer Nennwärmeleistung von 500 kW nun sowohl die Hähnchenmastställe als auch die Wohngebäude über ein Nahwärmenetz mit Prozesswärme.

Heizzentrale
Blick in die Heizzentrale mit RHK-AK Kessel, Abgaswärmetauscher, Multizyklon, Aschecontainer und Steuertechnik.
Ausgangssituation
In der Vergangenheit wurden die bestehenden Gebäude auf der Hofanlage, wie Wohnhaus und der Altenteiler sowie fünf Hähnchenmastställe, die insgesamt etwa 122.000 Plätze bieten, mit Gas beheizt. Dazu waren klassische Gaskanonen in den Ställen installiert. Die Hähnchenmastställe benötigen jährlich rund 750.000 kWh (80.000 m3 Gas), während die Wohngebäude etwa 6.000 m³ Gas pro Jahr verbrauchen. Gestiegene Gaspreise, eine veraltete Heizungsanlage und interessante Förderprogramme für Prozesswärmeanlagen, gaben den Anstoß sich mit einer neuen Heizungslösung zu befassen.

Neubau für Heizung und Brennstofflager
Die neue Schirmschoppe beinhaltet jetzt die Heizzentrale und den direkt angrenzenden Brennstoffbunker, sowie das Hackschnitzellager.
Förderbare Prozesswärme als Ziel
Aufgrund einer 20 Jahre alten Anfrage seines Vaters und dem vorliegenden Angebot von damals, sowie den positiven Erfahrungen während des damaligen Beratungsgesprächs, entschied sich Bernd Blomendahl dazu, erneut den Kontakt mit dp Energietechnik aufzunehmen, um das aktuelle Projekt zu besprechen. Die fachkundige Beratung sowohl in Bezug auf die technische Umsetzung als auch hinsichtlich der verfügbaren Förderprogramme hat Familie Blomendahl letztendlich überzeugt.
„Ein sicheres Gefühl war uns besonders wichtig, vor allem in Bezug auf die Zusammenarbeit der beiden Firmen Sieverding und dp Energietechnik“ – Bernd Blomendahl
Um die Wärmeversorgung nachhaltiger zu gestalten, wurde das bestehende Heizsystem auf eine Hackschnitzelheizung umgestellt, die durch Gas für Spitzenlasten und als Backup ergänzt wird. Eine Biomasseheizung RHK-AK 500 PZ von Heizomat mit einer Nennwärmeleistung von 500 kW soll als Grundlastanlage eingesetzt werden. Alle Gebäude werden als Wärmeabnehmer durch Erdwärmeleitungen mit dem neuen Heizsystem verbunden und in Zukunft mit nachhaltiger Wärme versorgt.

Überkopf
Die Überkopfaustragung bringt viele Vorteile mit sich.
Planung und Umsetzung vor Ort
Die Heizungsanlage wurde gemäß den Brandschutzvorschriften in einem neu errichteten Heizraum innerhalb einer ebenfalls neu gebauten Halle installiert. Neben dem Heizraum entsteht auch ein neuer Bunker an der Stirnseite. Eine Bunkerfräse mit 5 Metern Durchmesser sorgt für die Raumaustragung der Hackschnitzel zum Kessel. Die Befüllung des Brennstoffbunkers erfolgt bequem von der Stirnseite aus mit einem Frontlader.
Der Edelstahlkamin wird außen am Gebäude mit Mefa-Profilen montiert. Die Pufferspeicher wurden bei der Planung der Heizzentrale mit dem Kessel gemeinsam installiert. Zur Emissionsreduktion sind ein Multizyklon als Grobascheider und der Heizoclean Feinstaubabscheider integriert, die Staubpartikel aus dem Abgas filtern und ausgezeichnete Abgaswerte gewährleisten.
Der Kessel wurde wasserseitig durch die Firma Sieverding aus Cappeln eingebunden. In Zusammenarbeit mit den Planern von dp Energietechnik wurde dann die hydraulische Planung für den Prozesswärmeantrag ausgearbeitet und eingereicht.

Technische Planung
Besondere Anforderung an Heizungen in der Geflügelzucht
Die Hähnchenmast ist ein sehr Energieintensiver Prozess. Gerade die Heizung spielt in der Hähnchenmast eine zentrale Rolle, da Hähnchen für ihr optimales Wachstum und Wohlbefinden eine konstante und angenehme Umgebungstemperatur benötigen.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Aufzuchtphase, in der die Küken besonders empfindlich auf Temperaturschwankungen reagieren. Beim Einstallen muss die Umgebungstemperatur in den ersten Lebenswochen bei etwa 30 bis 35 Grad Celsius liegen. Diese hohe Temperatur ist entscheidend für Wachstum und Gesundheit. Mit zunehmendem Alter kann die Temperatur schrittweise reduziert werden, liegt jedoch immer noch bei etwa 20 bis 25 Grad Celsius.

Blick in die Brennkammer
Vorlauftemperaturen von bis zu 95° C können mit einem zusätzlichen Sicherheitswärmetauscher realisiert werden.
Bei Familie Blomendahl wird in einem 7-Wochen-Rhythmus neu eingestallt. Das bedeutet alle 7 Wochen müssen die Ställe wieder aufgeheizt werden. Einsparpotenzial bietet hier nur ein effektives Heizsystem mit einem entsprechend abgestimmten Lüftungssystem. Der größte Wärmeverlust in der Hähnchenaufzucht erfolgt nämlich nicht über die Stallhülle, sondern über die Lüftungsanlage.
Beim Aufheizen ist es energetisch wirtschaftlicher, die Zieltemperatur möglichst schnell zu erreichen, als die Ställe über einen langen Zeitraum aufzuheizen. Zusätzlich wird so die Umstallzeit möglichst kurzgehalten und ein Gewinnausfall minimiert. Eine kürzere Aufheizphase erreicht man mit einer höheren Vorlauftemperatur. Dazu ist bei dieser Anlage ein Sicherheitswärmetauscher installiert worden. Dieser erlaubt Vorlauftemperaturen von 95 °C. Sollte die Temperatur höher steigen, sorgt der Sicherheitswärmetauscher für eine Kühlung des Kessels und verhindert so Schäden an der Heizungsanlage.

Twinrohre und Konvektoren in einem Hähnchenstall
Quelle: https://n-lohmann.de/gefuegel-klima/
Für eine effektive Wärmeübertragung in den Stallungen sind sogenannte Twinrohre an den Wänden montiert worden. Diese bestehen aus zwei parallelen Rohren, durch die warmes Wasser oder eine andere Wärmeträgerflüssigkeit fließt. Von den Rohren gehen seitlich breite Bleche ab, um die Wärme gleichmäßiger an den Raum abgegeben zu können. Zusätzlich sind wassergeführte Reventa Wärmetauscher gleichmäßig im Stall verteilt. Diese saugen die Luft oberhalb an, erwärmen sie und geben sie dann radial verteilt wieder im Raum ab. Somit kann eine Regelung des Klimas im Stall mit verschiedenen Zonen erfolgen. Das heißt, es kann an der Stelle im Stall geheizt werden, an der die Temperatur am niedrigsten ist, ohne die Gesamttemperatur des Stalles erhöhen zu müssen. Hierdurch wird eine bessere und gleichmäßigere Wärmeverteilung erreicht.
Weitere Vorteile der Biomasseheizung gegenüber der Gasheizung in der Prozesswärme
Konventionelle Gaskanonen saugen die Verbrennungsluft aus dem Stallinnenraum an und geben mit der Abluft die Verbrennungsprodukte wie CO₂ und H₂O wieder in den Stallinnenraum ab. Die Abgabe der Verbrennungsprodukte in den Stall verschlechtert das Stallklima und erfordert deshalb eine erhöhte Luftumwälzung (Lüftungsrate). Insbesondere zu Beginn der Einstallung, wenn höheren Temperaturen gefordert sind, treten gleichzeitig auch höhere Wärmeverluste auf. Wassergeführte Heizsysteme hingegen punkten mit einer Reihe von Vorteilen.
Fördermöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und Umweltbilanz bei Prozesswärme
Für eine erfolgreiche Projektförderung in diesem Prozesswärme-Projekt war es entscheidend, die spezifischen Anforderungen und Kriterien des Fördermittelgebers zu berücksichtigen. Die richtige Produktauswahl, eine sorgfältige Antragstellung sowie die präzise Dokumentation während der Umsetzung waren essenziell für die erfolgreiche Nutzung der staatlichen Fördermittel.
Durch den Wechsel von einer Gasheizung auf eine Hackschnitzelheizung spart Familie Blomendahl allein im Jahr 2024 etwa 44.500 € an Brennstoffkosten. Angesichts der steigenden CO₂-Bepreisung für fossile Brennstoffe wie Gas oder Öl ist es wichtig, diese Entwicklung im Blick zu behalten. Im Jahr 2024 beläuft sich der CO₂-Preis für dieses Projekt auf etwa 7.779 € und wird voraussichtlich bis 2027, bei gleichbleibendem Verbrauch auf 14.694 € ansteigen.
CO2-Bepreisung ab 2026
Verschiedene, mögliche Szenarien einer CO2-Bepreisung bei fossilen Brennstoffen über nächsten Jahre.
Zusätzlich verringert sich der CO₂-Fußabdruck signifikant nach dem Umstieg. Die Hackschnitzelheizung der Familie Blomendahl reduziert jährlich den CO₂-Ausstoß um ganze 173 Tonnen im Vergleich zur alten Gasheizung.
Unser Heizkostenrechner zeigt dir nicht nur deine genauen Zahlen, sondern auch, wie du mit Biomasseheizungen Heizkosten und CO₂-Steuer sparst. Berechne schnell und einfach deine Heizkosten, Brennstoff- und Energiebedarf sowie CO₂-Steuern. Vergleiche alternative Brennstoffe und spare bares Geld!
Fazit
Die Heizung ist ein kritischer Faktor in der Hähnchenmast, der einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs ausmacht. Durch den Einsatz effizienter Heizsysteme, guter Isolierung und moderner Technologien können Betriebe den Energieverbrauch reduzieren, die Betriebskosten senken und gleichzeitig eine optimale Umgebung für das Wohlbefinden und Wachstum der Hähnchen sicherstellen.
Dieses Projekt ist ein hervorragendes Beispiel für die Umstellung auf nachhaltige Energienutzung und die Reduzierung des CO₂-Ausstoßes. Die Familie Blomendahl zeigt, wie durch gezielte Investitionen und Fördermöglichkeiten bei Prozesswärme eine umweltfreundlichere und wirtschaftlich sinnvolle Lösung realisiert werden kann.









