Kurzinformationen zu dieser Referenzanlage
Projektberater:
Dietmar Buschmaas
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Referenzart:
Wärmetechnik, Mobile Holzhacker
Typ:
300 kW - 500 kW
Energieträger:
Hackschnitzel
Anwendungen:
Nah- und Fernwärmenetze

Vom Hofwärmenetz zur Wärmeversorgung für Wendesse

Die Entwicklung des Wärmenetzes begann auf der eigenen Hofstelle. Zunächst beheizte die Familie Mutzke das alte Wohnhaus mit einem Stückholzkessel. Mit zusätzlichen Mietobjekten, Wohnungen und weiteren Wärmeabnehmern wuchs daraus nach und nach ein eigenes Hofwärmenetz.

2014 folgte der erste größere Holzkessel. Gleichzeitig entwickelte sich auch die Brennstoffversorgung weiter. Mit einem zapfwellenangetriebenen Heizohack HM 6-300 konnte Mutzke Energiesysteme die benötigten Hackschnitzel zunehmend selbst aufbereiten.

Der nächste Entwicklungsschritt war deutlich größer: Aus dem vorhandenen Hofnetz sollte eine Nahwärmeversorgung für weitere Gebäude in Wendesse entstehen.

Der bestehende 120-kW-Kessel sollte weiter genutzt werden, konnte den geplanten Wärmebedarf des erweiterten Netzes von rund 450 kW jedoch nicht allein abdecken. Deshalb wurde eine zusätzliche Biomasseheizung mit 500 kW als zentrale Wärmeerzeugung eingeplant.

Das Wärmenetz in Wendesse

Über das 2,5 Kilometer lange Nahwärmenetz in Wendesse sind 36 Gebäude unterschiedlicher Art sowie die Hofstelle angeschlossen

Herausforderung: Hohe Versorgungssicherheit für viele Einzelgebäude

Mit der Erweiterung änderten sich die Anforderungen an die Heiztechnik grundlegend. Statt einzelner Gebäude musste künftig eine größere Zahl unterschiedlicher Wärmeabnehmer zuverlässig versorgt werden.

Zum Netz gehören Ein- und Zweifamilienhäuser, ältere Bestandsgebäude, Mietobjekte und mehrere Wohneinheiten. Die Wärme wird über drei Leitungsstränge mit einer Gesamtlänge von rund 2,5 Kilometern verteilt.

Für die neue Wärmeerzeugung waren deshalb vier Anforderungen besonders wichtig:

  • ausreichend Leistung für das erweiterte Netz
  • hohe Betriebssicherheit und geringe Ausfallzeiten
  • zuverlässiger Betrieb mit unterschiedlichen biogenen Brennstoffen
  • Integration in die vorhandene Gebäude- und Anlagentechnik

Hinzu kam eine planerische Besonderheit: Der Heizraum sollte in einer bestehenden Scheune eingerichtet und der Brennstoffbunker oberhalb des Heizraums angeordnet werden.

Gesucht wurde deshalb keine isolierte Kessellösung, sondern ein Anlagenkonzept, das Wärmeerzeugung, Brennstoffversorgung und vorhandene Infrastruktur miteinander verbindet.

Pufferspeicher

44.000-Liter-Pufferspeicher im Heizhaus des Nahwärmenetzes Wendesse.

Warum eine Biomasseheizung?

Für Ulf Mutzke war eine Biomasseheizung wie die RHK-AK 500 Teil eines gewachsenen Betriebskonzepts und nicht nur eine Brennstoffentscheidung. Ein reiner Hackschnitzelkessel war aus Sicht des Betreibers keine denkbare Lösung. Wichtig war eine robuste Biomasseheizung, die auch mit unterschiedlichen biogenen Brennstoffen umgehen kann.

„Es muss natürlich für so ein Wärmenetz ein sehr zuverlässiges Gerät sein, ein vollautomatischer Volllastkessel, der möglichst störungsfrei durchläuft und dabei auch mit unterschiedlichen Brennstoffen zurechtkommen, da wir keine waldreiche Region sind und deshalb nicht ausschließlich auf reine Hackschnitzel setzen können, sondern je nach Verfügbarkeit auch andere biogene Materialien nutzen müssen.“

— Ulf Mutzke, Mutzke Energiesysteme

Neben der Brennstoffflexibilität spielte die Betriebssicherheit eine zentrale Rolle. Ein Nahwärmenetz muss auch während längerer Kälteperioden zuverlässig Wärme liefern. Automatische Reinigung, stabiler Volllastbetrieb, geringe Ausfallzeiten und eine wartungsfreundliche Technik gehörten deshalb zu den wichtigsten Auswahlkriterien.

Das Hackschnitzellager des Wärmenetzes

Mutzke Energiesysteme hat sich bewusst für eine Biomasseheizung und nicht für eine reine Hackschnitzelheizung entschieden, damit man beim Brennstoff maximal flexibel ist.

Die dp-Lösung: 500-kW-Biomassekessel mit bestehender Netzstruktur

dp Energietechnik empfahl für das Projekt einen RHK-AK 500 PZ mit 500 kW Leistung. Die Anlage ergänzt den bestehenden 120-kW-Kessel, der weiterhin im Netz bleibt und das System unterstützt.

Zur neuen Biomasseanlage gehören unter anderem:

  • Heizomat RHK-AK 500 PZ mit 500 kW Leistung
  • 6.000 mm lange Austragung mit separatem Antrieb und Parallelführung
  • Zellenradschleusensystem
  • 400-Liter-Aschetonne mit direktem Anschluss
  • Heizocontrol ET200 8 M zur Anlagensteuerung

Der vorhandene Pufferspeicher mit 44.000 Litern wurde bauseits eingebunden. Auch der Kamin wurde bauseits errichtet. Dadurch entstand eine Lösung, die neue Kesseltechnik mit vorhandener Infrastruktur kombiniert, statt das gewachsene System vollständig zu ersetzen.

Technische Planung

Technische Integration in eine bestehende Scheune

Eine besondere Aufgabe bei der Planung war die räumliche Integration der Anlage. Der Heizraum befindet sich zentral im Versorgungsgebiet und wurde in einer vorhandenen Scheune eingerichtet. Von dort verlaufen die drei Leitungsstränge zu den angeschlossenen Gebäuden.

Der Brennstoffbunker befindet sich oberhalb des Heizraums. Für seine Befüllung entstand eine individuelle Lösung aus zwei landwirtschaftlichen Förderbändern und einer eigens gebauten Konstruktion. Damit können die Hackschnitzel in den im Obergeschoss gelegenen Brennstoffbunker transportiert werden.

Nach der Endmontage unterstützte dp Energietechnik auch bei der Inbetriebnahme und bei einem Sondertermin zur Abgasmessung mit dem Schornsteinfeger, damit die Anlage genehmigungsfähig betrieben werden konnte.

Bunkerbefüllung DIY

Mit zwei landwirtschaftlichen Förderbändern und einer selbergebauten Konstruktion, können die Hackschnitzel in den Brennstoffbunker im Obergeschoss eingebracht werden.

Brennstoffkonzept: Vom gepflanzten Baum bis zur Wärme

Ein wesentlicher Unterschied zu vielen klassischen Heizungsprojekten liegt in Wendesse in der eigenen Brennstoffkette. Mutzke Energiesysteme betrachtet Energieholzproduktion, Aufbereitung und Wärmeerzeugung als zusammenhängendes System. Zum Konzept gehören Kurzumtriebsplantagen, regionales Energieholz und geeignetes Durchforstungsmaterial.

Die Aufbereitung erfolgt mit einem Heizohack HM 6-300. Der zapfwellenangetriebene Trommelhacker erzeugt aus dem vorhandenen Energieholz homogene Hackschnitzel für die Biomasseheizung.

Anschließend kann der Brennstoff in einer Trockenbox mit einem Fassungsvermögen von bis zu 120 Kubikmetern getrocknet werden. Die Trocknung erfolgt über Dombelüftung und nutzt vorhandene Wärme, sodass dafür keine zusätzliche Fremdenergie benötigt wird.

Dabei wird Holz nicht grundsätzlich energetisch verwertet. Stämme, die sich beispielsweise als Bauholz, für den Möbelbau oder andere höherwertige Anwendungen eignen, werden verkauft oder im eigenen Sägewerk weiterverarbeitet.

So entsteht ein weitgehend regionaler Werschöpfungskette:

Heizohack HM 6-300

Der Heizohack HM6-300 bereitet den eigenen Brennstoff für das Wärmenetz Wendesse auf. Von Kurzumtriebsholz und regionalem Energieholz produziert er Hackschnitzel in der passenden Qualität für die 500-kW-Biomasseheizung.

CO₂-Einsparung und Versorgungssicherheit

Das Projekt ersetzt in den angeschlossenen Gebäuden schrittweise einzelne Öl- und Gasheizungen durch eine zentrale Wärmeversorgung. Für die Gebäudeeigentümer bedeutet das: Die vorhandene Heizungsverteilung kann weiter genutzt werden, während die Wärmeerzeugung zentral über das Nahwärmenetz erfolgt.

Ein wichtiger Faktor ist dabei die Versorgungssicherheit. Die neue 500-kW-Biomasseheizung übernimmt die zentrale Wärmeerzeugung für das erweiterte Netz, während der vorhandene 120-kW-Kessel weiterhin eingebunden bleibt und das System bei Spitzenlasten unterstützten kann. Zusammen mit dem 44.000-Liter-Pufferspeicher entsteht eine robuste Anlagenstruktur, die Lastspitzen abfedern und den Wärmebedarf des Dorfes zuverlässig decken kann. Zusätzlich stärkt die eigene Brennstoffherstellung mit regionalen Hackschnitzeln die Unabhängigkeit von externen Energiepreisen und Lieferketten.

Bei einem jährlichen Netzverbrauch von rund 1.000.000 kWh Wärme vermeidet die Biomasseversorgung rechnerisch etwa 266 Tonnen CO₂ pro Jahr gegenüber einer ölbeheizten Versorgung. Damit verbindet das Projekt eine regionale Brennstoffstrategie mit einer deutlichen Reduzierung fossiler Energieträger im Gebäudebestand.

Warum dp Energietechnik?

Die Verbindung zu dp Energietechnik bestand bereits vor dem Kesselprojekt: Der Heizohack HM 6-300 wurde damals ebenfalls über dp Energietechnik angeschafft. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich später auch die Planung der neuen Heizungsanlage. Gerade diese bereits gemachten positiven Erfahrungen und die enge Zusammenarbeit waren für Ulf Mutzke ein wesentlicher Grund, sich auch beim Kesselprojekt erneut an dp Energietechnik zu wenden.

Dass dp Energietechnik nicht nur einzelne Komponenten liefert, sondern von der Brennstoffaufbereitung über das Hacken und Trocknen bis hin zur Wärmeerzeugung und Speicherung die ganzheitliche Wertschöpfungskette im Bereich Biomasse abbildet, bestätigte diesen Schritt zusätzlich.

Für wen eignet sich eine ähnliche Lösung?

Das Projekt in Wendesse lässt sich nicht eins zu eins auf jeden Standort übertragen. Es zeigt jedoch, unter welchen Voraussetzungen Biomasse für kleinere Nahwärmenetze interessant sein kann.

Besonders relevant ist ein solches Konzept für:

  • Betreiber bestehender oder geplanter Nahwärmenetze
  • landwirtschaftliche Betriebe und größere Hofstellen
  • kleinere Ortschaften mit mehreren Wärmeabnehmern
  • Standorte mit verfügbaren regionalen Biomassebrennstoffen

  • Projekte, bei denen vorhandene Gebäude oder Heiztechnik weitergenutzt werden können

Entscheidend ist nicht allein die benötigte Kesselleistung. Für ein tragfähiges Nahwärmekonzept müssen Wärmebedarf, Lastprofil, Netzstruktur, Brennstoffverfügbarkeit, Lagerung, Logistik, Betreiberstruktur und Finanzierung gemeinsam betrachtet werden.

Wendesse zeigt, wie vorhandene Infrastruktur schrittweise weiterentwickelt werden kann, statt bei einer Erweiterung vollständig neu beginnen zu müssen.

Eigenes Wärmenetz mit Biomasse aufbauen oder erweitern?

dp Energietechnik unterstützt Dich bei der Entwicklung eines passenden Anlagenkonzepts – von Wärmebedarf und Brennstoffversorgung über Kesseltechnik, Austragung und Pufferspeicherung bis zur Integration in vorhandene Gebäude und Wärmenetze.

Fazit: 500-kW-Biomasseheizung als Basis für das Nahwärmenetz Wendesse

Ausgangspunkt war ein bestehendes Hofwärmenetz mit eigener Erfahrung in der Biomassenutzung. Durch die Kombination aus neuer 500-kW-Biomasseheizung, bestehender Heiztechnik, Pufferspeicher, eigener Brennstoffaufbereitung und regionalen Energieholzquellen konnte daraus schrittweise eine Wärmeversorgung für zahlreiche Gebäude entstehen.

Die entscheidende Erkenntnis des Projekts liegt deshalb weniger in einer einzelnen technischen Komponente als im Gesamtkonzept: Brennstoffverfügbarkeit, Aufbereitung, Wärmeerzeugung, Speicherung und Netzstruktur müssen aufeinander abgestimmt werden.

Gerade bei gewachsenen Nahwärmeprojekten kann die frühzeitige Betrachtung dieser gesamten Prozesskette darüber entscheiden, wie zuverlässig, flexibel und wirtschaftlich sich die Wärmeversorgung langfristig betreiben lässt.

Hi, ich bin Dietmar und dein Ansprechpartner für Beratungen im PLZ-Gebiet 3.

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