Kurzinformationen zu dieser Referenzanlage
Projektberater:
Dietmar Buschmaas
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Referenzart:
Wärmetechnik
Typ:
150 kW - 200 kW
Energieträger:
Hackschnitzel
Anwendungen:
Forstwirtschaft

Eigene Ressourcen statt fossiler Energie

Das land- und forstwirtschaftliche Unternehmen Graf von Westphalen bewirtschaftet Wälder in mehreren Bundesländern. Nachhaltige und naturgemäße Forstwirtschaft hat dort eine lange Tradition. Gleichzeitig ist dem Betrieb bewusst, dass Land‑ und Forstwirtschaft besonders stark vom Klimawandel betroffen sind.

Deshalb verfolgt das Unternehmen seit Jahren das Ziel, Energie möglichst nachhaltig zu erzeugen und zu nutzen. Für die Gebäude des Forstamts in Bad Wünnenberg bedeutete das konkret: Weg von fossilen Brennstoffen – hin zu erneuerbarer Wärme mit Rohstoffen aus dem eigenen Wald.

200 kW Hackschnitzelheizung mit Aschecontainer und Pufferspeicher

Hackschnitzelheizung im Forstamt Graf von Westphalen

200 kW Hackschnitzelheizung im Heizraum eines Forstamts in Bad Wünnenberg mit Versorgung mehrerer Gebäude über ein Nahwärmenetz.

Ausgangssituation: Mehrere Gebäude mit Öl und Gas beheizt

Am Standort befinden sich mehrere ältere Gebäude, darunter das Forstamtsgebäude sowie weitere Wohn- und Betriebsgebäude. Momentan versorgt die Anlage drei Wohngebäude, das Büro, die Scheune sowie eine Werkstatt mit Garage. Künftig wird die Versorgung auf fünf Wohngebäude (mit neun Wohneinheiten) sowie eine zusätzliche Schreinerei erweitert.

Die Beheizung der Gebäude erfolgte bislang mit Öl- und Gasheizungen. Eine Fortsetzung dieses Modells erwies sich anlässlich einer erforderlichen Modernisierung und angesichts steigender CO2-Preise und volatiler Energierohstoff-Märkte als wirtschaftlich unrentabel bzw. schwer kalkulierbar.

Gleichzeitig fallen im Forstbetrieb regelmäßig Holzhackschnitzel aus Durchforstungen, Kronenholz, Straßenbegleitgrün oder Landschaftspflegemaßnahmen an. Diese Ressource sollte aufgrund der wirtschaftlich vorteilhaften und risikoärmeren Rohstoffversorgung künftig direkt für die Wärmeversorgung genutzt werden.

Fachwerkscheunbe aus dem Jahr 1728 mit Eindrückschnecke für die Bunkerbefüllung

Umgenutzte Fachwerkscheune als Heizzentrale

Herausforderung: Hackschnitzelheizung für mehrere Gebäude im Bestand

Die Gebäude liegen räumlich getrennt auf dem Betriebsgelände. Eine zentrale Energieanlage musste daher nicht nur für alle Gebäude ausreichend Leistung bereitstellen, sondern die Wärme auch zuverlässig und energetisch sinnvoll zu mehreren Gebäuden transportieren.

Zusätzlich sollte die Anlage in vorhandene Gebäudestrukturen integriert werden. Heizraum und Brennstoffbunker wurden deshalb innerhalb einer bestehenden Scheune neu aufgebaut und als F90‑Bereich ausgeführt.

Damit entstand eine sichere Infrastruktur für die neue Biomasseanlage, ohne zusätzliche Gebäude errichten zu müssen.

Luftaufnahme vom Forstamtes des Grafen von Westfalen in Fürstenberg

Nachhaltiges Nahwärmenetz: Die versorgten Gebäude im Überblick

Lösung: Zentrale 200 kW Hackschnitzelheizung mit Nahwärmenetz

Herzstück der Anlage ist ein Hackschnitzelkessel mit 200 kW Leistung (RHK‑AK 200 P). Der Kessel wird automatisch aus einem Brennstoffbunker beschickt, aus dem ein Austragungssystem die Hackschnitzel zum Kessel transportiert.

Die Regelung erfolgt über das sog. „Heizocontrol‑System“. Dieses steuert die Anlage sowie die angeschlossenen Heizkreise. Eine flexible Erweiterung der Anlage auf weiteren Gebäude in der Nachbarschaft ist mit ihr möglich.

Ein Pufferspeicher mit 6.000 Litern Volumen stabilisiert den Betrieb der Anlage. Dadurch werden Lastspitzen abgefangen, Wartungen im laufenden Heizbetrieb ermöglicht und die Laufzeiten des Kessels technisch und ökonomisch optimiert.

Die Wärmeverteilung erfolgt über ein neu verlegtes Netz mit wärmeisolierten Nahwärmeleitungen zu den einzelnen Gebäuden des Standorts.

Umsetzung der Hackschnitzelheizung im Bestandsgebäude

Der Bau der Anlage war für den Standort ein komplexes Projekt. Zahlreiche Gewerke mussten koordiniert werden – vom Bau des Heizraums über die Installation des Kessels bis hin zum Verlegung des Nahwärmenetzes incl. der Hausanschlüsse

Heizraum und Brennstoffbunker wurden kostensparend innerhalb vorhandener Bausubstanz errichtet Es mussten keine zusätzlichen Gebäude errichtet werden.

Die Anlage arbeitet mit Vor- und Rücklauftemperaturen von 80 bzw. 60 °C und eignet sich damit optimal für die Versorgung der bestehenden Gebäude.

900 Liter Aschetonne von Heizomat

Aschecontainer einer 200 kW Hackschnitzelheizung mit gesammelter Biomasseasche aus sieben Monaten Heizbetrieb im Forstbetrieb.

Eigene Hackschnitzel und automatische Bunkerbefüllung

Die Hackschnitzel stammen aktuell vollständig aus dem eigenen Forstbetrieb. Der Kessel ist so ausgelegt, dass unterschiedliche Hackschnitzelqualitäten verarbeitet werden können. Dadurch lassen sich auch Reststoffe wie Kronenholz, Straßenbegleitgrün oder Material aus Landschaftspflegearbeiten, je nach Preiswürdigkeit auch von Dritten, energetisch nutzen.

Die Befüllung des Hackschnitzelbunkers erfolgt über eine Heizotrans Eindrückschnecke. Sie transportiert die Hackschnitzel vom Einfüllbereich in den Lagerraum und verteilt sie im Bunker. Die Förderleistung beträgt bis zu 30 m³ Hackschnitzel pro Stunde.

Für den Forstbetrieb ist diese Lösung besonders praktisch: Die Hackschnitzel können mit Frontlader oder Anhänger direkt in den Einfülltrichter gekippt und anschließend automatisch in den Bunker transportiert werden. Die Schnecke kann zudem flexibel in vorhandene Öffnungen oder Schächte integriert werden und ist in unterschiedlichen Längen sowie mit Steigungen bis etwa 45° einsetzbar.

Heizotrans Eindrückschnecke zur Bunkerbefüllung mit Hackschnitzeln

Eindrückschnecke für Hackschnitzel zur Befüllung des Brennstoffbunkers

Ergebnisse der Hackschnitzelheizung für fünf Gebäude

Mit der neuen Hackschnitzelheizung wurde die Wärmeversorgung des gesamten Standorts neu organisiert.

Die wichtigsten Parameter:

  • 200 kW zentrale Heizleistung
  • Versorgung von fünf Familien in zwei Häusern sowie fünf Betriebsgebäuden

  • 6.000 Liter Pufferspeicher für stabile Betriebsführung
  • vorranginge Nutzung eigener Holzhackschnitzel aus dem Forstbetrieb

  • vollständiger Ersatz der bisherigen Öl‑ und Gasheizungen
  • schnelle und personalsparende Bunkerbefüllung

Der Betrieb gewinnt damit langfristig besser kalkulierbare Wärmekosten und nutzt einen Brennstoff, der im eigenen Wald wächst.

„Klimaschutz ist uns als Forstbetrieb ein wichtiges Anliegen, weil wir in der Land‑ und Forstwirtschaft unmittelbar vom Klimawandel betroffen sind. Mit der Hackschnitzelheizung nutzen wir unseren eigenen Rohstoff konsequent für die Wärmeversorgung unserer Gebäude. Der Kessel läuft robust und wartungsarm – die erste Heizsaison ist bisher völlig störungsfrei verlaufen.“ – Dr. Johannes Gerst, Leiter Forstbetrieb Graf von Westphalen

Technische Planung einer Hackschnitzelheizung mit Bunkerbefüllung

Technische Planung

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Fazit: Hackschnitzelheizung für mehrere Gebäude im Forstbetrieb

Das Projekt zeigt, wie Forstbetriebe ihre eigenen Ressourcen effizient nutzen können. Durch die Kombination aus Biomassekessel, Pufferspeicher und Micronetz entstand eine zentrale Wärmeversorgung für mehrere Gebäude – regional, robust und langfristig wirtschaftlich.

Hi, ich bin Dietmar und dein Ansprechpartner für Beratungen im PLZ-Gebiet 3.

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