Eigene Ressourcen statt fossiler Energie
Das land- und forstwirtschaftliche Unternehmen Graf von Westphalen bewirtschaftet Wälder in mehreren Bundesländern. Nachhaltige und naturgemäße Forstwirtschaft hat dort eine lange Tradition. Gleichzeitig ist dem Betrieb bewusst, dass Land‑ und Forstwirtschaft besonders stark vom Klimawandel betroffen sind.
Deshalb verfolgt das Unternehmen seit Jahren das Ziel, Energie möglichst nachhaltig zu erzeugen und zu nutzen. Für die Gebäude des Forstamts in Bad Wünnenberg bedeutete das konkret: Weg von fossilen Brennstoffen – hin zu erneuerbarer Wärme mit Rohstoffen aus dem eigenen Wald.

Hackschnitzelheizung im Forstamt Graf von Westphalen
200 kW Hackschnitzelheizung im Heizraum eines Forstamts in Bad Wünnenberg mit Versorgung mehrerer Gebäude über ein Nahwärmenetz.
Ausgangssituation: Mehrere Gebäude mit Öl und Gas beheizt
Am Standort befinden sich mehrere ältere Gebäude, darunter das Forstamtsgebäude sowie weitere Wohn- und Betriebsgebäude. Momentan versorgt die Anlage drei Wohngebäude, das Büro, die Scheune sowie eine Werkstatt mit Garage. Künftig wird die Versorgung auf fünf Wohngebäude (mit neun Wohneinheiten) sowie eine zusätzliche Schreinerei erweitert.
Die Beheizung der Gebäude erfolgte bislang mit Öl- und Gasheizungen. Eine Fortsetzung dieses Modells erwies sich anlässlich einer erforderlichen Modernisierung und angesichts steigender CO2-Preise und volatiler Energierohstoff-Märkte als wirtschaftlich unrentabel bzw. schwer kalkulierbar.
Gleichzeitig fallen im Forstbetrieb regelmäßig Holzhackschnitzel aus Durchforstungen, Kronenholz, Straßenbegleitgrün oder Landschaftspflegemaßnahmen an. Diese Ressource sollte aufgrund der wirtschaftlich vorteilhaften und risikoärmeren Rohstoffversorgung künftig direkt für die Wärmeversorgung genutzt werden.

Umgenutzte Fachwerkscheune als Heizzentrale
Herausforderung: Hackschnitzelheizung für mehrere Gebäude im Bestand
Die Gebäude liegen räumlich getrennt auf dem Betriebsgelände. Eine zentrale Energieanlage musste daher nicht nur für alle Gebäude ausreichend Leistung bereitstellen, sondern die Wärme auch zuverlässig und energetisch sinnvoll zu mehreren Gebäuden transportieren.
Zusätzlich sollte die Anlage in vorhandene Gebäudestrukturen integriert werden. Heizraum und Brennstoffbunker wurden deshalb innerhalb einer bestehenden Scheune neu aufgebaut und als F90‑Bereich ausgeführt.
Damit entstand eine sichere Infrastruktur für die neue Biomasseanlage, ohne zusätzliche Gebäude errichten zu müssen.

Nachhaltiges Nahwärmenetz: Die versorgten Gebäude im Überblick
Lösung: Zentrale 200 kW Hackschnitzelheizung mit Nahwärmenetz
Herzstück der Anlage ist ein Hackschnitzelkessel mit 200 kW Leistung (RHK‑AK 200 P). Der Kessel wird automatisch aus einem Brennstoffbunker beschickt, aus dem ein Austragungssystem die Hackschnitzel zum Kessel transportiert.
Die Regelung erfolgt über das sog. „Heizocontrol‑System“. Dieses steuert die Anlage sowie die angeschlossenen Heizkreise. Eine flexible Erweiterung der Anlage auf weiteren Gebäude in der Nachbarschaft ist mit ihr möglich.
Ein Pufferspeicher mit 6.000 Litern Volumen stabilisiert den Betrieb der Anlage. Dadurch werden Lastspitzen abgefangen, Wartungen im laufenden Heizbetrieb ermöglicht und die Laufzeiten des Kessels technisch und ökonomisch optimiert.
Die Wärmeverteilung erfolgt über ein neu verlegtes Netz mit wärmeisolierten Nahwärmeleitungen zu den einzelnen Gebäuden des Standorts.
Umsetzung der Hackschnitzelheizung im Bestandsgebäude
Der Bau der Anlage war für den Standort ein komplexes Projekt. Zahlreiche Gewerke mussten koordiniert werden – vom Bau des Heizraums über die Installation des Kessels bis hin zum Verlegung des Nahwärmenetzes incl. der Hausanschlüsse
Heizraum und Brennstoffbunker wurden kostensparend innerhalb vorhandener Bausubstanz errichtet Es mussten keine zusätzlichen Gebäude errichtet werden.
Die Anlage arbeitet mit Vor- und Rücklauftemperaturen von 80 bzw. 60 °C und eignet sich damit optimal für die Versorgung der bestehenden Gebäude.

Aschecontainer einer 200 kW Hackschnitzelheizung mit gesammelter Biomasseasche aus sieben Monaten Heizbetrieb im Forstbetrieb.
Eigene Hackschnitzel und automatische Bunkerbefüllung
Die Hackschnitzel stammen aktuell vollständig aus dem eigenen Forstbetrieb. Der Kessel ist so ausgelegt, dass unterschiedliche Hackschnitzelqualitäten verarbeitet werden können. Dadurch lassen sich auch Reststoffe wie Kronenholz, Straßenbegleitgrün oder Material aus Landschaftspflegearbeiten, je nach Preiswürdigkeit auch von Dritten, energetisch nutzen.
Die Befüllung des Hackschnitzelbunkers erfolgt über eine Heizotrans Eindrückschnecke. Sie transportiert die Hackschnitzel vom Einfüllbereich in den Lagerraum und verteilt sie im Bunker. Die Förderleistung beträgt bis zu 30 m³ Hackschnitzel pro Stunde.
Für den Forstbetrieb ist diese Lösung besonders praktisch: Die Hackschnitzel können mit Frontlader oder Anhänger direkt in den Einfülltrichter gekippt und anschließend automatisch in den Bunker transportiert werden. Die Schnecke kann zudem flexibel in vorhandene Öffnungen oder Schächte integriert werden und ist in unterschiedlichen Längen sowie mit Steigungen bis etwa 45° einsetzbar.

Eindrückschnecke für Hackschnitzel zur Befüllung des Brennstoffbunkers
Ergebnisse der Hackschnitzelheizung für fünf Gebäude
Mit der neuen Hackschnitzelheizung wurde die Wärmeversorgung des gesamten Standorts neu organisiert.
Die wichtigsten Parameter:
Der Betrieb gewinnt damit langfristig besser kalkulierbare Wärmekosten und nutzt einen Brennstoff, der im eigenen Wald wächst.
„Klimaschutz ist uns als Forstbetrieb ein wichtiges Anliegen, weil wir in der Land‑ und Forstwirtschaft unmittelbar vom Klimawandel betroffen sind. Mit der Hackschnitzelheizung nutzen wir unseren eigenen Rohstoff konsequent für die Wärmeversorgung unserer Gebäude. Der Kessel läuft robust und wartungsarm – die erste Heizsaison ist bisher völlig störungsfrei verlaufen.“ – Dr. Johannes Gerst, Leiter Forstbetrieb Graf von Westphalen

Technische Planung
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Fazit: Hackschnitzelheizung für mehrere Gebäude im Forstbetrieb
Das Projekt zeigt, wie Forstbetriebe ihre eigenen Ressourcen effizient nutzen können. Durch die Kombination aus Biomassekessel, Pufferspeicher und Micronetz entstand eine zentrale Wärmeversorgung für mehrere Gebäude – regional, robust und langfristig wirtschaftlich.







