Ausgangssituation: Vom Einzelgebäude zum Dorfwärmenetz
Am Anfang des Projekts stand noch kein großes Wärmenetz.
Auf dem Gelände der Fuhrhop Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG sollte zunächst ein vermietetes Gewerbegebäude mit Wärme versorgt werden. Die erste Überlegung war deshalb eine kleinere Hackschnitzelheizung für diesen einzelnen Standort.
Hinnerk Fuhrhop und die Verantwortlichen des landtechnischen Lohnunternehmens Fuhrhop GmbH prüften zunächst, wie sich der vorhandene Wärmebedarf mit dem eigenen Brennstoffangebot verbinden lässt.
Direkt nebenan befindet sich jedoch der Forellenhof, ein größerer Hotel- und Gastronomiebetrieb mit Restaurant, Veranstaltungsräumen, Brauerei und Übernachtungsangebot. Durch Modernisierungen und Erweiterungen war auch dort ein langfristig tragfähiges Wärmekonzept gefragt.
Aus den Gesprächen zwischen Fuhrhop, dem Forellenhof und weiteren Beteiligten entwickelte sich deshalb eine größere Lösung: Statt mehrere Gebäude unabhängig voneinander zu beheizen, sollte ein gemeinsames Wärmenetz entstehen.
Heute versorgt die zentrale Hackschnitzelheizung neben dem Forellenhof 43 Wohnhäuser. Weitere Anschlüsse sind perspektivisch möglich.
Ausgangssituation: eigener Brennstoff trifft auf hohen Wärmebedarf
Eine Besonderheit des Projekts liegt in der Herkunft des Brennstoffs.
Das mit dem Betreiber verbundene landtechnische Lohnunternehmen Hermann Fuhrhop GmbH ist unter anderem in der Gewässerunterhaltung, Gehölzpflege und Landschaftspflege tätig. Bei diesen Arbeiten fallen regelmäßig holzige Reststoffe an.
Das Material kann aufbereitet und als Hackschnitzel energetisch genutzt werden.
Damit kamen bei diesem Projekt zwei Faktoren zusammen:
Die entscheidende Frage lautete deshalb nicht nur, wie Öl oder Gas ersetzt werden können. Vielmehr ging es darum, das ohnehin vorhandene Landschaftspflegeholz zuverlässig in Wärme umzuwandeln und für mehrere Abnehmer in der Ortschaft nutzbar zu machen.

Aktuell sind 43 Haushalte und das Hotel Forellenhof an das Wärmenetz von Hinnerk Fuhrhop angeschlossen.
Die Herausforderung: Landschaftspflegeholz zuverlässig verheizen
Hackschnitzel aus Landschafts- und Gehölzpflege unterscheiden sich deutlich von den besonders gleichmäßigen, standardisierten „Designer-Hackschnitzeln“.
Je nach Ausgangsmaterial können unter anderem Feuchte, Stückigkeit, Feinanteil und Struktur variieren. Für einen dauerhaft zuverlässigen Anlagenbetrieb müssen Feuerung, Austragung und Fördertechnik deshalb zum tatsächlich verfügbaren Brennstoff passen.
Genau diese Anforderung war für Hinnerk Fuhrhop und die Fuhrhop GmbH ein wesentliches Auswahlkriterium. Gesucht wurde keine Anlage, die ausschließlich mit besonders gleichmäßigen „Designer-Hackschnitzeln“ zuverlässig arbeitet, sondern eine robuste Feuerung, die auch das unregelmäßigere Hackgut aus der eigenen Landschaftspflege sicher verarbeiten kann.
Eine wichtige Entscheidungsgrundlage waren deshalb die positiven Erfahrungen bei der Besichtigung einer bestehenden 500-kW-Hackschnitzelheizung in Suderbruch. Die dort gewonnenen Eindrücke bestätigten, dass die Heizomat-Technik als solide und robust eingeschätzt wurde und auch unter praxisnahen Bedingungen zuverlässig mit Hackschnitzeln aus der Landschaftspflege arbeiten kann.
„Der Kessel läuft bis jetzt ohne große Probleme. Er macht das, was er machen soll – und er muss vor allem mit unseren Hackschnitzeln aus der Landschaftspflege klarkommen. Dafür haben wir den richtigen Kessel gefunden.“ – Hinnerk Fuhrhop, Geschäftsführer
Damit schloss sich der Kreis zwischen Brennstoff und Anlagentechnik: Die Entscheidung für die Heizomat RHK-AK-Baureihe fiel nicht allein wegen der benötigten Leistung, sondern vor allem wegen ihrer robusten Auslegung für wechselnde und weniger homogene Hackschnitzelqualitäten.

Der Brennstoff fällt beim Betreiber, der Hermann Fuhrhop GmbH bei der Landschafts- und Gehölzpflege an. Mit einem höheren Grünanteil und schwankendem Wassergehalt stellt der Brennstoff hohe Anforderungen an den Biomassekessel.
Planung des Wärmenetzes mit den späteren Anschlussnehmern
Mit der Entscheidung für ein gemeinsames Wärmenetz musste das Projekt weit über die Auswahl des Heizkessels hinaus geplant werden. Gemeinsam mit Ingenieurbüro, Energieberatung, Fachplanern und den späteren Anschlussnehmern wurden Wärmebedarf, Trassen, Übergabepunkte, Heizzentrale, Brennstoffbunker, Pufferspeicher und die baulichen Voraussetzungen abgestimmt.
Dabei wurden auch Brandschutz, Brennstofflogistik, Wartungszugang, Ascheentsorgung sowie Förder- und Genehmigungsthemen berücksichtigt. Die Anlage sollte in die bestehende Scheune integriert werden und zugleich zuverlässig mehrere unterschiedliche Wärmeabnehmer versorgen.
Ein wichtiger Bestandteil war die frühzeitige Information der späteren Nutzer. Bei einem Informationsabend am im November 2022 wurden die geplante Wärmeversorgung, technische Rahmenbedingungen und mögliche weitere Anschlüsse vorgestellt. So entwickelte sich das Projekt schrittweise von einer Einzelheizung für ein Gebäude zu einem gemeinsamen Wärmenetz für den Forellenhof und 43 Wohnhäuser.
Einbau der Hackschnitzelheizung in eine bestehende Scheune
Die Heizzentrale entstand nicht in einem separaten Neubau, sondern musste in eine vorhandene Scheune der Fuhrhop Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG integriert werden.
Dazu wurde der Heizungsraum als F90-Bereich gemauert und die Decke mit zweifachem Fermacell verkleidet.
Hinter dem Heizhaus wurde ein liegender Pufferspeicher eingeplant.
Auch die spätere Zugänglichkeit spielte bereits während der Planung eine wichtige Rolle. Wartungsarbeiten, Bedienung und Ascheentsorgung sollten im täglichen Betrieb problemlos möglich bleiben.
So wurde beispielsweise geprüft, wie die Komponenten im Bestand angeordnet werden müssen, damit auch die 900-Liter-Aschetonne später gut bewegt und aus dem Heizraum herausgefahren werden kann.

Wirtschaftlicher und praktischer Nutzen
Ein wesentlicher Vorteil des Projekts liegt in der Verbindung aus regional um Walsrode vorhandenem Brennstoff und lokalem Wärmebedarf.
Technische Daten der 800-kW-Hackschnitzelheizung
Ein wesentlicher Vorteil des Projekts liegt in der Verbindung aus regional um Walsrode vorhandenem Brennstoff und lokalem Wärmebedarf.
| Technischer Punkt | Angabe |
|---|---|
| Kesseltyp | Heizomat RHK-AK 800 |
| Nennleistung | 800 kW |
| Brennstoff | Hackschnitzel aus Landschaftspflege, Gehölzpflege und Gewässerunterhaltung |
| Brennstoffherkunft | Eigenes Material aus dem landtechnischen Lohnunternehmen Hermann Fuhrhop GmbH |
| Brennstoffbunker | ca. 5 × 5 m, Beton |
| Austragung | Raumaustragung 250 |
| Bunkerfräse | Ø 5.000 mm |
| Fördertechnik | Kettenelevator 250 |
| Rückbrandschutz / Übergabe | Zellenradschleuse 250 |
| Steuerung / Schaltschrank | Siemens ET 200 Standschaltschrank |
| Pufferspeicher | Liegender Pufferspeicher hinter dem Heizhaus |
| Puffermanagement | 8 Fühler zur Speicherbewirtschaftung |
| Feinstaubabscheidung | Elektrostatischer Heizoclean Feinstaubabscheider |
| Grobstaubabscheidung | Grobstaubabscheider von Heizomat |
| Aschehandling | 900-Liter-Aschetonne mit Euro-Aufnahme |
| Heizraum | F90 gemauert, Decke mit 2-fach Fermacell |
| Wärmenutzung | Forellenhof plus 43 Wohnhäuser |
| Inbetriebnahme | 2026 |

Mit 800 kW Nennwärmeleistung bildet der AK 800 die zentrale Feuerungsanlage des Dorfwärmenetzes. Die Biomasseheizung verarbeitet überwiegend Hackschnitzel aus Landschafts-, Gehölz- und Gewässerpflege.
Überschlägiges CO₂-Einsparpotenzial
Ausgehend von der installierten Nennwärmeleistung von 800 kW und einer angenommenen jährlichen Betriebsdauer von 1.800 Volllaststunden ergibt sich rechnerisch eine Wärmemenge von rund 1,44 Mio. kWh pro Jahr. Dabei handelt es sich um eine Planungsannahme und nicht um einen gemessenen Jahreswert.
Bei Anwendung der angesetzten Emissionsfaktoren auf diese angenommene Wärmemenge ergeben sich folgende rechnerische Vergleichswerte:
Erdgas:
1.440.000 kWh × 0,202 kg CO₂/kWh = 290.880 kg CO₂, entsprechend rund 291 Tonnen CO₂
Heizöl:
1.440.000 kWh × 0,266 kg CO₂/kWh = 383.040 kg CO₂, entsprechend rund 383 Tonnen CO₂
Hackschnitzel:
1.440.000 kWh × 0,018 kg CO₂e/kWh = 25.920 kg CO₂e, entsprechend rund 26 Tonnen CO₂e
Unter diesen Annahmen ergibt sich zwischen den angesetzten Emissionswerten rechnerisch eine Differenz von rund 265 Tonnen gegenüber Erdgas beziehungsweise rund 357 Tonnen gegenüber Heizöl.
Die dargestellten Werte beruhen ausschließlich auf den genannten Planungsannahmen und Emissionsfaktoren. Sie stellen keine gemessene oder nachgewiesene jährliche CO₂- beziehungsweise Treibhausgaseinsparung der konkreten Anlage dar.
Quelle: BDEW – Leitfaden zur Berechnung und Aufteilung der Kohlendioxidkosten nach dem Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz, Stand:31.05.2025
Fazit: Produktionsrestholz wird zur betrieblichen Wärmequelle
Dieses Projekt zeigt, wie sich aus einem zunächst begrenzten Wärmebedarf ein deutlich größeres Versorgungskonzept entwickeln kann. Heute verbindet die 800-kW-Hackschnitzelheizung drei zentrale Faktoren:
Der Forellenhof und 43 Wohnhäuser werden über eine gemeinsame Biomasseanlage mit Wärme versorgt. Gleichzeitig kann Holz aus der eigenen Landschafts-, Gehölz- und Gewässerpflege der Herman Fuhrhop GmbH energetisch vor Ort genutzt werden.
Für Hinnerk Fuhrhop und die Fuhrhop-Unternehmen entstand damit eine Lösung, die eigene Brennstoffressourcen mit einer lokalen Wärmeversorgung verbindet.
Für Lohnunternehmen, landwirtschaftliche Betriebe, Hotels, Gewerbestandorte oder Betreiber geplanter Wärmenetze kann ein ähnliches Konzept interessant sein, wenn ausreichend Biomasse und ein kontinuierlicher Wärmebedarf vorhanden sind.
Sie planen eine Hackschnitzelheizung oder ein lokales Wärmenetz? Sprechen Sie mit dp Energietechnik über die technische Machbarkeit und eine passende Anlagenlösung.







